Aufrechter Rücken, entspannter Nacken – Warum Feldenkrais dafür das perfekte Training ist

So lautet das Motto einer perfekten Bewegungslehre.

Was das bedeutet? Nichts anderes, als dass wir unseren Körper wieder daran erinnern, wie er am besten funktioniert.

Zu den häufigsten Leiden der Menschen in den Industrienationen zählen heute Beschwerden, bei denen sich medizinisch oft kein rechter Befund erheben lässt, wie chronische Rücken-, Kopf-, Nacken-, Hüft- oder Bauchschmerzen. Auf der Suche nach den Ursachen ziehen Betroffene oft verzweifelt von Arzt zu Arzt, viele von ihnen vergeblich.
Bei genauerem Hinsehen, beim Abtasten der betroffenen Stellen lassen sich bei vielen dieser Leiden tatsächlich greifbare körperliche Veränderungen finden. Allerdings handelt es sich oft nicht um Symptome einer organischen Erkrankung, sondern um Bewegungseinschränkungen. Sie sind ein Zeichen dafür, dass unsere Vorstellung von bestimmten Bewegungen an Vielfalt verloren hat.

Wir schränken uns selber ein, indem wir nicht mehr spüren oder denken können, wie es anders ginge. Bewegungseinschränkungen werden dabei häufig für unausweichliche Altersbeschwerden gehalten. Das sind sie jedoch nur insoweit, als wir mit zunehmendem Alter umso mehr Gelegenheiten haben, uns durch Verletzungen, Fehlhaltungen, Alltagsgewohnheiten oder unbewusste seelisch-körperliche Spannungsmuster solche Beschwerden zuzulegen. Wir lernen nämlich als Kinder nicht nur Laufen oder Fahrradfahren, sondern gleichzeitig schon erste Gewohnheiten. Nicht immer speichern wir optimale und effiziente Bewegungsmuster ab. Während manche Ideen, Bewegungen oder Handlungsweisen zu Gewohnheiten werden, bleiben uns eine Reihe von Alternativen unbekannt oder ungenutzt. Je nachdem, wie sehr wir unser Repertoire unbewusst eingeschränkt haben, kommen wir früher oder später an unsere Grenzen, unter Umständen in Form von Schmerzen oder Einschränkungen.

Da die Verspannungen mit einer Störung in der Körperwahrnehmung und der Bewegungssteuerung verbunden sind, sind sie dem Bewusstsein nicht zugänglich. Feldenkrais ist eine Möglichkeit die Aufmerksamkeit zu lenken und den Beschwerden entgegenzuwirken. Die Feldenkrais-Methode ist ein vom Ingenieur und Physiker Moshè Feldenkrais entwickeltes somatisches Lernverfahren. Er studierte die Zusammenhänge zwischen Bewegung, Wahrnehmung, Denken und Fühlen. Aus der Erkenntnis ihrer engen Wechselwirkungen entwickelte er eine Methode, die auf der natürlichen Lernfähigkeit des menschlichen Nervensystems basiert. Daraus ergeben sich breit gefächerte Anwendungsmöglichkeiten in Arbeit, Beruf und Freizeit.

Zur Ausführung stehen zwei Wege zur Verfügung:

Bewusstheit durch Bewegung
Auf spielerische Weise wird in Gruppenstunden Bewegung mit verschiedenen, ungewohnten Variationen erforscht. Das gibt dem Nervensystem die Gelegenheit, Alternativen zu entdecken.

Funktionale Integration
Sie basiert auf den gleichen Zusammenhängen, wird jedoch in Einzelstunden individuell auf die Bedürfnisse der Lernenden ausgerichtet.

Text: Ralf  ZieglerMitglied im Expertenarbeitskreis des UMW.

Foto: Evren Aydin
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