Einbruchschutz, Teil Drei

Nach dem Artikel „Einbruchschutz und Förderung“ und dem Cockpit Treffen im Mai 2017, welches eine Dialogrunde zu dem Thema mit unseren drei Experten Bertram Augustin, Ulrich Schulte-Wissermann und Jörg A. Kienle war, haben wir heute noch einen Artikel zum Thema, der uns von Bertram Augustin zur Verfügung gestellt wurde.

Infos und laut gedachtes zum Thema ED (Einbruch-Diebstahl).

Der typische Einbrecher, Mitternachtsschlosser, Meister Ede, Dieb, Ganove, Langfinger, Gesetzesbrecher, Bösewicht, Delinquent verfügt meist nicht über eine fundierte Ausbildung. Folglich bleibt ihm oftmals mehr oder minder nur „rohe Gewalt“. Er wird also versuchen auf kurzem Wege, schnellstmöglich und mit geringster Geräuschkulisse in das Einfamilienhaus (EFH), oder das Betriebsgebäude einzudringen.

Einbrecher lernen dazu, die Sicherungsindustrie jedoch auch

Da er in den meisten Fällen im Vorfeld die Lage sondiert und er fast immer sehr kamerascheu ist, wird er abgelegenere Liegenschaften, Hausrückseiten, verschattete Gebäudeteile etc. dem Grunde nach bevorzugen. Im Umkehrschluss liegt hier bereits die erste Möglichkeit der Absicherung: Bewegungsmelder mit starkem Licht, Kameradummies oder Ähnliches. Kameradummies und auch Alarmanlagendummies (typische Metallkiste mit roter Leuchte montiert) suggerieren aber auch dem geneigten Wegelagerer, dass es hier ggf. etwas zu holen geben könnte. Hier ist der Eigentümer selbst gefragt und muss für sich individuell entscheiden und sich entsprechend beraten lassen (durch Fensterbauer, Elektriker oder auch die Kripo), was er für die beste Lösung hält.

Kameras mit Infrarotbeleuchtung (nicht sichtbar für den Einbrecher) sind zudem mittlerweile recht günstig zu erstehen (ca. 150 € und aufwärts), haben bei Internetanbindung (LAN und WLAN) die Möglichkeit, Bilder ans Handy weiterzuleiten und diese auch zu speichern. Eine Stromversorgung ist obligatorisch bei „guter Ware“. Ob diese Bilder als rechtssichere Beweise im Prozessfall einsetzt werden dürfen, muss im Einzelfall geprüft werden.

Den Einbrecher nicht einladen

Da der unqualifizierte Einbrecher versuchen wird, am Besten ein Fenster oder eine Terrassentür aufzuhebeln und hierzu den Balkon im 1. OG mühelos beklettert, oder sich an nahe stehenden Mülltonnen bedient, sind diese entsprechend abzusichern. Eine Leiter herum liegen zu lassen, weil man zu faul ist, diese im Keller/in der Garage zu deponieren ist quasi eine Einladung. Und auch die geliebte Regenwassertonne oder Balkon/Terrassenmöblierung etc. sind beliebte Hilfsmittel. Die Rollläden sollten folglich unten sein. Hochschiebesicherungen von Rollläden sind handwerklich durch entsprechende Fachbetriebe nachrüstbar und bilden eine erste Hürde.

Pilzkopfzapfenverriegelungen sind verbesserte, im Fensterrahmen verlaufende Zapfen – erkennbar als die messingfarbenen runden Knöpfe im Fenster. Diese werden hier dann nicht nur in einer einfachen Nut geführt, sondern in einer Art Schiene (T-Form des Pilzkopfzapfens) und sind so nicht oder nur erschwert zu knacken. Sie stellen eine weitere Hürde dar.

Kombiniert mit einem abschließbaren Fenstergriff ist dies eine gute und relativ einfache Sicherungsmaßnahme, um es dem versuchenden Einbrecher so schwer wie möglich zu machen.

Fenstervergitterungen bspw. der Kellerfenster bei Hanglage o.Ä. von außen gibt es auch in „fast schön“. Diebstahlsicherung der Lichtschachtroste waren bei Übergabe im Neubau wahrscheinlich mal alle vorhanden und haben sich im Laufe der Jahre langsam in „Luft“ aufgelöst. Eine einfache kleine Kette/Metallstab angeschraubt an den Lichtschacht und oben mit dem Rost verbunden, ist genau das, was Sie wahrscheinlich alle schon mal gesehen haben, abgeschraubt haben um das Laub zu entfernen und nie wieder montiert haben.

Bitte montieren Sie es nun wieder! Auch hier geht es um den Zeitfaktor: Der Rost sollte nicht so einfach demontiert werden können (quasi nur zur Seite legen), sonst wird das meist sehr einfache Kellerfenster mit etwas Druck geöffnet und der sportliche, schlanke Einbrecher betritt die Immobilie und öffnet seinen Kollegen von Innen die Tür. Ein Innenriegel an der Kellertür, bestmögliche Mehrfachverriegelung der Türen (Haustür, Kellertür) helfen gut weiter, aber denken Sie daran, das Abschließen immer konsequent umzusetzen. Nur die Tür hinter sich zuziehen – man wohnt ja nicht im Räuberviertel wo nachts die Mülltonnen brennen – bringt quasi nichts, da sich hier der etwas geübte und handwerklich grundbegabte Delinquent mit einfachsten Mitteln in Sekundenbruchteilen Zugang verschaffen kann!

Fenstervergitterungen von Innen bieten ebenfalls einen guten Schutz, sind aber sicherlich nicht schön und stellen auch Gefahren für einen selbst dar. Zum Beispiel: Wie komme ich schnell aus meiner top gesicherten Immobilie heraus, wenn es brennt?

Ungeahnte Gefahren von oben

Aber auch der gelernte Dachdecker und hier eventuell umgeschulte Einbrecher weiß sehr wohl, dass eine Pfanne/ein Ziegel mit einem Griff in einer Sekunde in der Nähe eines Dachflächen-Fensters ausgebaut ist, man kurz durch die Dämmung fasst und man kurzer Hand die Gipskartonverkleidung öffnet und den Griff am Fenster bedient und so in kürzester Zeit in der Immobilie ist und in Ruhe seinem Job nachgehen kann.

Die bei Neubauten/Neueindeckungen vorgeschriebenen Sturmsicherungen der Ziegel können dies stark erschweren. Es handelt sich dabei um eine einfache Metallklammer, die ein Hochschieben der Ziegel, lösen durch Sturm aber auch Lösen durch einen Dachdecker hier verhindert. Glasschäden werden aufgrund der Geräuschkulisse in den meisten Fällen vermieden.

Rollladenhochschiebesicherungen (Material ca. 15.- €), Pilzkopfzapfenverriegelungen (ca. 150.- € Material bei einem 1-Flügel Fenster), abschließbarer Fenstergriff (ab ca. 35.- €) bieten einen guten Schutz und verlängern und verleiden es so dem möglichen Einbrecher. Sturmklammern liegen vom Materialpreis her im Centbereich. Kosten/Schäden für den erfolglosen Einbruchsversuch liegen oft komischerweise beim Hausratversicherer, folglich sollte auch der ggf. dort wohnende Mieter im Interesse des Vermieters eine solche haben.

Und was ist mit der Veranda?

Bei Schiebetüren im Terrassen-/Balkonbereich kann man diese einfach von innen sichern, indem man einen Holzbalken einfach dahinter legt und so ein seitliches aufschieben, selbst bei geknackten Beschlägen nicht möglich ist. Der Holzbalken ist natürlich der jeweiligen Breite zwischen Schiebetür und Mauerwerk anzupassen. Auch ein Katzenkratzbaum hindert ein Öffnen der Terrassentür, da sich dieser zwischen Mauerwerksleibung und Tür/Mauer verkeilt. Auch ein großer Blumentopf, ein kleines Regalteil o.Ä. können hier schon helfen.

Oft hilft es schon, wenn man sich selbst fragt wie man es dem Einbrecher mit einfachen Mitteln schwer machen kann, bzw. was sollte man wegräumen, um es dem Einbrecher nicht zu leicht zu machen. Nachbarn bei Abwesenheit informieren und bitten, ein waches Auge offen zu halten und im Zweifel bei untypischen Geräuschen die Polizei zu informieren.

Bitte spielen Sie nicht eigens den Helden und schnappen sich den Baseballschläger des Sohnes oder aus Jugendtagen und versuchen, den Verbrecher zu jagen – das geht meist nach hinten los. Ein lautes Rufen und Lichter anschalten ist sicherlich gefragt, aber mehr auch bitte nicht. Ggf. ist der Einbrecher nicht alleine und da ist es ratsam, die Bande zu erschrecken und zu verjagen anstatt sich in einen Kampf zu verwickeln.

Fazit: Einen hundertprozentigen Schutz wird es nicht geben. Man kann jedoch einige Vorkehrungen treffen, um es dem Einbrecher nicht zu einfach zu machen. Und diese Vorkehrungen können schon einiges verhindern.

Monetäre Förderungsmöglichkeiten zur Verbesserung des Einbruchschutzes sind gegeben, hierzu steht Ihnen Jörg A. Kienle von der Kienle Finanzmanufaktur mit Rat und Tat zur Seite.

Rechtsfragen sind gerne an Rechtsanwalt Ulrich Schulte-Wissermann anzutragen, z.B. zu der neuerlich novellierten rechtlichen Betrachtung und Bestrafung von Einbrechern.

Text: Bauexperte & Sachverständiger Bertram Augustin, Mitglied im UMW Expertenarbeitskreis

Fotos: Matt Jones, Samuel Zeller

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