Social Proof: Was ist es und wie wird es genutzt?

Social Proof ist ein Ausdruck, der beschreibt dass Menschen gewillt sind, das Verhalten oder die Vorlieben anderer Menschen zu kopieren. Man kann ohne lange zu recherchieren vermuten, dass dies schon für unsere Vorfahren aus der Steinzeit eine wichtige Hilfe war um zu überleben. Im Mittelalter gab es die so genannten „Vorkoster“, die das Essen probierten, bevor König oder Königin oder eine andere „wichtige“ oder einflussreiche Person davon gegessen hat, um sicherzustellen, dass das Essen nicht vergiftet ist und wenn doch, dass eine eher „unwichtige“ Person stirbt anstatt z.B. dem König selbst.

So weit so gut. Aber was hat das mit Unternehmertum zu tun?

Die Werbebranche ist sich dessen natürlich bewusst und versucht daraus Schlüsse zu ziehen um Werbung effektiver zu machen, mehr Produkte zu verkaufen oder die Präsenz einer Firma oder einer Marke auf Vordermann zu bringen.

Nehmen wir Facebook als Beispiel: Haben Sie sich schon einmal selbst dabei erwischt, wie Sie eine Fanseite auf Facebook eher angeklickt haben, wenn ein paar hundert Menschen oder mehr diese Seite bereits mit „Gefällt mir“ markiert haben? Oder ist Ihnen vielleicht schon einmal bewusst geworden, dass Sie ein Unterfangen, ein Unternehmen oder einen Künstler als weniger erfolgreich einstufen, wenn er weniger als 100 „Gefällt mir“ Angaben hat? Im Gegensatz dazu „muss“ ein Künstler ja ein guter Künstler sein, wenn dessen Facebook Seite 10.000 „Likes“ hat, richtig?

Nicht unbedingt. Aber wir lassen uns dazu verleiten, so zu denken. Vielleicht ist der Künstler mit 15 „Gefällt mir“ Angaben ein besserer Künstler als der mit 10.000, schert sich aber nicht darum, seine Kunst zu vermarkten oder seine Zielgruppe befindet sich überhaupt nicht auf Facebook, weil der Großteil seiner „Fans“ 70-85 Jahre alt ist und gar keinen Facebook Account hat.

Oder der andere Künstler mit 10.000 „Gefällt mir“ Angaben hat diese „nur“ gekauft. Sei es von Facebook selbst, wo man seine Seite der eigenen Zielgruppe bewerben kann, wenn man Facebook Geld dafür bezahlt oder durch so genannte „Fake Accounts“ – also Accounts, die nicht von echten Nutzern betrieben werden sondern nur dazu dienen, „Gefällt mir“ Angaben auf Seiten zu fälschen – natürlich gegen entsprechendes Geld.

Social Proof ist also sehr leicht manipulierbar, besonders im Internet in Zeiten der gefälschten Rezensionen, gekauften Likes und Followern und allerlei Menschen, die einem etwas verkaufen wollen.

Und was bedeutet das jetzt für mich?

Vermeiden kann man es sicher nicht, dass manche Menschen mit den Ergebnissen aus Hirnforschung und Verhaltensforschung Schindluder betreiben und versuchen, diese Einsichten für Zwielichtige Zwecke zu nutzen.

Der eine Punkt, den wir Ihnen jedoch mit auf den Weg geben wollen ist dieser: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Viele „Gefällt mir“ Angaben oder Follower sagen nichts über die Qualität der Arbeit des Künstlers, des Unternehmens etc aus. Es gibt viele gute Unternehmen, die noch nicht einmal eine Facebook Präsenz, geschweige denn eine Website haben.

Heisst das, dass diese Unternehmen keinen Stellenwert haben, nutzlos sind oder ihre Daseinsberechtigung verspielen? Ganz und gar nicht. Im Sinne von Social Proof im Internet könnte man das wohl leicht annehmen. Aber vielleicht ist das Unternehmen ja so gut, dass es sich seit Jahren nur durch Mundpropaganda und gute Empfehlungen einen soliden Kundenstamm aufgebaut hat und fantastische Arbeit liefert.  Wo ist da der Social Proof? Natürlich in den guten Erzählungen:

„Kennst du schon XYZ? Bei denen habe ich neulich (…) und das war richtig gut. Musst du unbedingt mal ausprobieren.“

Wir leben zwar in einer Welt, in der man zuerst ein Restaurant googelt, bevor man dort einkehrt um zu essen, aber nichts schlägt eine gute Empfehlung von einem Freund oder einem Menschen, dem man vertraut.

Das ist die ursprünglichste Form des Social Proof. Und wahrscheinlich immer noch die effektivste Form. Trotz Internet.

Foto: Freestocks

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