Urlaubsmitbringsel und die möglichen Folgen

Urlaubsmitbringsel

Nachgemachte Markenprodukte sind im Urlaub oft zu einem Spottpreis zu haben. Trendige Sneakers für zehn Euro oder die Rolex unter hundert Euro. Die Schnäppchen können jedoch teuer werden, wenn der Zoll die Fälschungen entdeckt.

Eine Markenjeans, die zwar Lovis statt Levis heißt, dafür aber auch nur 20 statt 120 Euro kostet? Fälschungen sind beliebte Urlaubsmitbringsel. Das ist nicht grundsätzlich verboten, aber viele dürften schon die Erfahrung gemacht haben, dass einem das vermeintliche Schnäppchen aus dem Urlaub an der Grenze bei der Rückkehr nach Deutschland doch noch teuer zu stehen kommen kann. Es ist natürlich verlockend, Imitate zu einem Bruchteil des Originalpreises zu ergattern. Gefälschte Markenware ist nach wie vor eines der beliebtesten Urlaubsmitbringsel der Deutschen.

Diverse Markenklamotten, eine Designerbrille oder ein trendiger Sportschuh für nur 20 Euro – wenn in manchen Urlaubsorten auf Märkten oder in Geschäften Luxus- oder Markenartikel zu Minipreisen angeboten werden, handelt es sich in der Regel um Fälschungen. Und wer diese kauft, ist sich dessen im Allgemeinen auch bewusst. Kopiert wird fast alles, sogar Cremes und Taschentücher. Meist wandeln die Fälscher den Markennamen nur leicht ab, dann fehlt mal ein Buchstabe oder es wird einer hinzugefügt. Solche Plagiate aus dem Urlaub nach Deutschland mitzubringen, ist nicht grundsätzlich verboten. Wer als Privatperson ein oder mehrere gefälschte Produkte für den Eigengebrauch oder als Mitbringsel im Koffer hat, macht sich nicht strafbar.

Anders sieht es aus, wenn die Einfuhr einen kommerziellen Charakter hat. Das bedeutet nicht gleich, dass man gewerblicher Händler sein muss. Aber bei 20 gefälschten Marken-T-Shirts liegt die Vermutung nahe, dass diese beispielsweise über das Internet verkauft werden sollen. Wer die mitgebrachten Fälschungen selbst in kleinsten Mengen weiterverkaufen will, macht sich strafbar. Der erwischte Urlauber wird dann abgemahnt. Das bedeutet: er muss schriftlich bestätigen, künftig keine Plagiate mehr einzuführen. Zudem muss er die Anwaltskosten tragen, die im Regelfall mehrere Hundert Euro betragen. Außerdem müssen die Schmuggler auch die Kosten für die Vernichtung der gefälschten Ware tragen. Im Schnitt sind dafür rund 1500 Euro fällig.

Eine generelle Obergrenze, bis zu dieser die Einfuhr noch als privat angesehen wird, gibt es nicht. Wenn die Zöllner bei der Durchsicht der Koffer tatsächlich Produktfälschungen finden, dann sind sie in vielen Fällen recht großzügig. Hat man nur ein paar unterschiedliche Shirts, eine Uhr und zwei Handtaschen dabei, sagen die Zöllner meistens nichts. Nur für den Eigenbedarf oder auch als Geschenk sind diese Plagiate nämlich durchaus erlaubt. Dabei gibt es keine festgelegte Stückzahl, die das Ende der privaten Verwendung anzeigen würde. Entscheidend ist hier immer der Einzelfall, und somit die Intuition der Zöllner.

Wenn man von außerhalb der EU einreist, dann gibt es indes eine weitere Regel zu beachten. Ab einem Gesamtwert von 430 Euro müssen auch Plagiate, genauso wie alle anderen erworbenen Waren, angemeldet werden. Wenn man weiß oder auch nur vermutet, dass der Wert der Ware über 430 Euro liegt, sollte man auf jeden Fall die Ware den Zöllnern unaufgefordert vorzeigen. Wenn man die Waren ordnungsgemäß anmeldet, dann zahlt man nur die Steuern. Nutzt man allerdings den grünen Ausgang und wird mit einem zu hohen Warenwert erwischt, dann kommt zusätzlich zu den Steuern auch noch eine Strafe hinzu. Aber auch hier gilt, dass nur die private Verwendung erlaubt ist, nicht der Weiterverkauf, egal ob man seine Waren anmeldet oder nicht.

Einige Reisende denken, dass nur kontrolliert wird, wer von außerhalb der EU kommt, aber das ist ein Irrtum. Auch wer beispielsweise aus Spanien oder Kroatien nach Hause zurückkehrt kann ohne weiteres kontrolliert werden, stichprobenartig werden immer wieder Kontrollen vom deutschen Zoll durchgeführt.

Grundsätzlich sollte man jedoch die Finger von gefälschter Ware lassen, denn im Urlaubsland selbst kann bereits der Kauf empfindliche Strafen nach sich ziehen. Vor allem in Italien gibt es jedes Jahr Fälle, in denen Käufer von gefälschten Produkten hohe Bußgelder zahlen sollen. So wurde der Fall einer dänischen Touristin bekannt, die 10.000 Euro Bußgeld bezahlen musste, weil sie am Strand in Ligurien für zehn Euro eine gefälschte Gucci-Sonnenbrille gekauft hatte. In Frankreich drohen allein für den Besitz gefälschter Markenartikel bis zu drei Jahre Gefängnis.

Die gefälschten Produkte sind häufig von minderer Qualität. Wenn Parfüms nach kürzester Zeit ihren Duft verlieren, T-Shirts ausleiern und Schuhnähte aufplatzen, ist das mehr ärgerlich und mindert die Freude über das gut gemeinte Mitbringsel erheblich. Bei allergieauslösenden Inhaltsstoffen oder Sonnenbrillen mit fehlendem UV-Schutz kann es sogar gesundheitsschädlich werden. Und um gefälschte elektronische Geräte, Werkzeuge oder Autoteile sollte man auf jeden Fall einen ganz großen Bogen machen: deren Einsatz kann unter Umständen dann auch richtig gefährlich werden, da diese in der Regel nicht den erforderlichen Sicherheitsstandard aufweisen.

Vor diesem Hintergrund sollte man es vielleicht bei einer schönen Ansichtskarte belassen.

Text: Thomas G. Than

Foto: Herson Rodriguez

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